Lissabon – Tag 5

Der erste Tag, der mit Sonnenschein beginnt. Heute wollen wir zwei Weltkulturerbestätten besichtigen: das Hieronymus-Klosters (pt. Mosteiro dos Jeronimos) und den Turm von Belém (pt. Torre des Belém), Wachturm und Wahrzeichen der Stadt. Wobei wir nur eine Rekonstruktion von 1846 sehen, denn das Original wurde bei der napoleonischen Invasion zerstört. Immerhin waren beide Gebäude vom 1755er Erdbeben verschont geblieben.

Mit der Straßenbahnlinie 15 fahren wir vom Praça da Figueira eine gute halbe Stunde nach Belém. Ganz offensichtlich sind wir nicht die Einzigen, die den Sonnenschein nutzen wollen. Schon die Straßenbahn ist gefüllt wie eine Sardinendose, und vor dem Kloster steht eine lange Schlange. Also schauen wir uns das prächtige Gebäude nur von außen an. Sohnemann fragt andächtig, wieviele Künstler denn wie lange für die Dekoration gebraucht haben.

Anschließend gehen wir durch den Praça do Império weiter zum Ufer des Tejo, wo das Entdeckerdenkmal (pt. Padrão dos Descobrimentos) steht. Wir halten die Figur am Bug des wie ein Schiff (eine Karavelle, um genau zu sein) gestalteten  Gebäudes für Vasco da Gama (*1469, + 1524), der 1497/98 den Seeweg um Afrika herum nach Indien entdeckt hat. Doch tatsächlich ist es Heinrich der Seefahrer (pt. Infante Dom Henrique des Avis, *1394, + 1460), der selber allerdings keinerlei Entdeckungsreisen gemacht hat, sondern lediglich Initiator, Schirmherr und Auftraggeber der portugiesischen Expansion Anfang des 15. Jahrhundert war. Anlässlich seines 500. Todestages wurde 1960 dieses Gebäude errichtet, welches 56 Meter hoch ist und Ausstellungsräume, ein Auditorium, eine Bühne und eine Ausstellungsplattform beherbergt. Auch hier ist eine lange Schlange vor dem Eingang. 

Als wir das Gebäude bestaunen, entdecken wird, dass wohl gerade eine Segelregatta stattfindet, denn es kommen gerade ganz viele Segelboote mit groß aufgeblähten Segeln vorbei gefahren, welche just an dieser Stelle ihr Spinnacker (das große bauchige Vorsegel) fallen lassen, um die Geschwindigkeit zu reduzieren und mit Hilfe des gerade gehissten einfachen Vorsegels die Wendeboje zu umrunden.

Danach schlendern wir weiter an der Uferpromenade in Richtung Turm von Belém. Als wir dort ankommen, stehen die Besucher auch schon weit auf den Vorplatz hinaus Schlange. Und Schlange stehen ist für die Kinder keine Option. Nachdem wir dem Geigenspieler ein wenig gelauscht und dabei die Szenerie in uns aufgenommen haben, beschließen wir, dem in der Nähe liegenden Kutschenmuseum (pt. Museu Nacional dos Coches)einen Besuch abzustatten.

Seit 2015 hat das Museum zwei gegenüberliegende Standorte. Wir fangen im ursprünglichen, kleinere Teil an, nämlich in der ehemaligen königlichen Reithalle im klassizistischen Stil. Die Reithalle ist innen mit prächtigen Mosaiken und Bildern geschmückt des Künstlers Franciso de Setubal geschmückt und enthält eine 50 lange und 17m breite Reitbahn, die von 1787 bis 1905 genutzt wurde. So eine Pracht in einer Reithalle, ist das nicht unglaublich? Heute stehen hier einige wenige Kutschen, und ein paar Ausstellungsstücke wie Waffen und Uniformen der Tiere und Reiter.

In einem Nebenraum gibt es ein paar interessante Ausstellungsstücke zur Geschichte der Feuerwehr in Lissabon, da das Feuerwehrmuseum aufgelöst wurde. Sehr traurig, dass die 600-jährige Tradition so ein museales Schattendasein führen muss. Ist es nicht interessant, die alten Werkzeuge zu sehen, wenn wir hier täglich die modernen Fahrzeuge mit ohrenbetäubendem Geheul an uns vorbei sausen? Spannend fand ich auch, dass es nach dem Erdbeben 1755 für jeden kleinen Palast Pflicht wurde, eine eigene kleine Feuerwehr-Einheit zu haben, so wie es heute bei großen Firmen und jedem Flughafen der Fall ist.

Danach wechseln wir über die Straße in den futuristischen Neubau. Und wenn wir gedacht hatten, dass wir schon die schönsten Märchenkutschen gesehen hätten, dann haben wir uns sehr getäuscht. Welch unglaublichen Prunk wir hier sehen. Dutzende Kutschen aus dem siebzehnten Jahrhundert bis heute, die von der portugiesischen Königs- und anderen Adelsfamilien genutzt wurden. Reisekutschen, Prunkkutschen, Kinderkutschen, Jagdkutschen, Reliquienkutschen, Postkutschen, Sänften, Tragestühle, erste Autos sowie Kutscherlivreen, Zaumzeug, Sättel, Koffer, Waffen – so viel zu schauen.

Und die Geschichten hinter den Fahrzeugen, sowie in den Bemalungen oder üppigen barocken Schnitzereien sind so faszinierend. Z.B. das älteste Ausstellungsstück ist die Reisekutsche des spanischen Königs Philipp III, mit der 1619 Portugal bereiste. Die Kutsche hatte abknüpfbare Scheiben, einen in der Rückbank eingebaute Toilette und einen Werkzeugkasten.

Was für ein beeindruckendes Museum! Kein Wunder, dass es mit 400.000 Besuchern pro Jahr, das meistbesuchte Lissabons ist. Und wer jetzt Lust bekomme hat, mehr über die Ausstellungsstücke und ihre Geschichten zu erfahren, der kann das alles auf der Museumshomepage ausführlich nachlesen.

Thema der derzeitigen temporäre Ausstellung ist das 100-jährige Jubiläum von Citroën, in der die Entwicklungsgeschichte dieser Fahrzeuge gezeigt wird. Zu jeder Modellreihe ist in einer Zeitlinie ein Spielzeug-Auto aufgestellt. Hach, was waren die alten Autos bis Anfang der 70er Jahre schön und markant. Besonders die Ente, der hier auch ein Ehrenplatz gewährt wird.

Schließlich haben wir alles gesehen und sind von der Bilder- und Informationsfülle überwältigt. Zur Belohnung gönnen wir uns ein Eis von Santini – das beste Eis aller Zeiten. Unglaublich geschmacksinteniv und das ganz ohne Zugabe von Zucker bei den Fruchteissorten. So gut, dass wir uns sogar ein zweites gönnen! Immerhin haben wir uns ja auch zwei Museen angeschaut.

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