Lissabon – Tag 4

Nach einer Runde Einkaufen steht für heute ein Besuch der alten Festung Castelo de São Jorge auf dem Plan, welche über unserer Wohnung trohnt, und die wir fußläufig erreichen können.

Sie ist Luftlinie 200 Meter entfernt und liegt 90 m über uns, so dass es zu Fuß ca. 900 Meter zu gehen sind. 900 Meter, die es aber in sich haben – sehr steil und nur z.T. Treppen. Dafür hat die alte Burg, von der nur noch die Hülle steht, jede Menge Treppen. Doch die Aussicht nach allen Seiten ist großartig.

Das haben auch die Menschen vor mehreren tausend Jahren schon erkannt. An der Stelle der Festung haben die Archäologen Spuren verschiedener Siedlungen gefunden. Die Phönizier und Karthager waren mehrere hundert Jahre vor Christus hier und nannten den Ort Alis Ubbo, was so viel wie fröhliche Meeresbucht oder lustiger Meeresbusen bedeutet. Natürlich waren später auch die Griechen hier, es heißt sogar, dass Odysseus hier eine Stadt gegründet habe, deren Namen jedoch nicht überliefert ist.

Ursprünglich wurde die Burg von den Mauren erbaut, welche sie jedoch 1147 an Alfons den Eroberer abgegeben mußten. Danach wurde sie zur Königsburg, bis das große Erdbeben von 1755 auch die Burg, welche sich über 6.000m² erstreckte, weitgehend zerstörte, nur die Außenmauer und einige Türme sind stehen geblieben.

Zu allen Seiten hin ist der Ausblick großartig, wenn auch der Weg ein wenig beschwerlich ist. Stellt Euch mal vor, wie die Ritter hier in einer Belagerungssituation in voller Rüstung die Wehrgänge und Treppen im Sturmschritt entlang geeilt sind. Bin ich froh, dass ich nur meinen kleinen Handtaschenrucksack mit meinen Elektrogeräten tragen muss, und so langsam gehen kann, wie ich möchte.

Für die Kinder ist der Höhepunkt der Besichtigung die Begegnung mit den Pfauen. Einen mit großen weißen Flecken hatten sie schon zwischendurch gesehen, doch auf dem Weg zum Ausgang werden es immer mehr, an der einen Stelle drei auf einer Mauer und dann zehn hoch in einem Baum. Dann kommt ein Mann mit einem Futtereimer und ruft die Vögel. Zögerlich kommen gut ein Dutzend der schönen Tiere, was für ein prachtvoller Anblick. Einige der Vögel bleiben in den Bäumen sitzen, entweder sind sie nicht hungrig oder es ist ihnen zu viel Trubel unten, denn viele der Besucher rücken den Tieren doch sehr auf die Pelle.

Vor dem Ausgang haben sich einige Künstler postiert: ein Musiker, der auf einer afrikanischen Harfe spielt, Maler und Fotografen. Bei dem Maler, der mit seinem Anzug und dem Hut ein wenig an Charlie Chaplin erinnert, gefallen uns die mit Kaffee gemalten Bilder so gut, dass wir ein kleines für unsere Urlaubsgemälde-Sammlung kaufen. Auf den Umschlag, in dem es für den Transport gesteckt wird, malt der Künstler noch schnell eine Karikatur seiner selbst. Wie originell!

Nach so einem anstrengenden Ausflug brauchen wir ein warmes Abendessen und gehen dafür in ein uriges, kleines Restaurant mit typisch portugiesischer Küche, das in der Nähe unserer Wohnung liegt. Das Restaurant wird von fünf jungen Männern geführt, die sich beim Kochen und Bedienen abwechseln. Die Karte hängt mit Kreide geschrieben an der Wand. Es gibt kleine, tapas-artige Gerichte, die man sich teilt und die nacheinander gebracht werden. Unser Sohn mag nur batata frita haben, die wir zunächst für Pommes frites halten, es sind jedoch tatsächlich Chips. Ansonsten stehen auf der Karte eine Handvoll Gerichte mit Schweinefleisch oder Huhn und doppelt so viele mit Fisch oder Meeresfrüchten. Mir schmecken die beiden portugiesischen Eintöpfe mit Schwein und Kaninchen, das Oktopus-Gericht mit seiner zartlila Färbung sagt mir dagegen nicht so zu. Die Kinder suchen sich noch einen Nachtisch aus, Mousse au Chocolate. Als es gebracht wird, ist der Sohn froh, dass er darauf bestanden hat, dass er keine Dekoration bekommt, denn die besteht bei der Tochter aus Olivenöl und grobkörnigem Salz. Die Erwachsenen bekommen ein kleines Gläschen eines süßen Weins, der mir tatsächlich deutlich besser schmeckt als der Grappa beim Italiener.

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