Eine majestetische Ruine – Koldinghus

Was bei uns vollmundig Burg oder Schloss hieße, nennen die Dänen schlicht Koldinghus. 1268 erbaut diente es sieben Jahrhunderte lang als Grenzposten, königliche Residenz und Verwaltungsort. So ist der Westflügel zur Zeit von Christian I entstanden. Ob er wohl im Rittersaal mit den hohen gotischen Spitzbogenfensterd die Entscheidung gefällt hat, der Herrenruther Brüdergemeinde das Siedeln in Christiansfeld zu gestatten?

Doch es kam ein wenig außer Mode, wurde immer weniger genutzt und nach dem verheerenden zweitägigen Brand in 1808 war die Ruine nur noch ein Steinbruch für die örtliche Bevölkerung (genauso wie die Burg in Ribe). Bis 1830 der weltbekannte Märchenerzähler Hans Christian Andersen in der malerischen Ruine eine Inspirationsquelle für Künstler erkannte und sich für die Bewahrung der Schlossruine aussprach. Erst 33 Jahre später entwickelte sich der Gedanke, das Schloss wieder aufzubauen. Doch aufgrund des Krieges Preußen gegen Österreich verzögerte sich diese Vorgehen um weitere 30 Jahre. 1890 wurde schließlich das Museum gegründet und mit der Restaurierung begonnen, die sich wegen der Weltkriege über hundert Jahre hinziehen sollte.

Das Besondere dieser Restaurierung ist das grundlegende Prinzip, dass die Ruine so weit wie möglich erhalten geblieben und in die neue, sie erhaltende Architektur eingebettet ist. Ganz im Geiste der vielen historischen Erweiterungen dieser Burg. Eine wirklich gelungene Verbindung von historischer und moderner Architektur, wie ich finde.

Genauso faszinierend wie das Gemäuer selbst sind die dargebotenen Dauerausstellungen:

  • Die Geschichte des Schlosses
  • Christian IV., der während seiner Erziehung dort (1583-1593) vom Koldinghaus geprägt wurde und seinerseits als Monarch (1588-1648) das Koldinghaus massiv umbaute (Schlossturm, Kirchensaals und der 57m lange Rittersaal, der leider nicht erhalten gebileben ist)
  • Die Restaurierung des Schlosses durch die Architekten Inger und Johannes Exner aus Aarhus von 1972 bis 1993
  • Dänschisches Silber

Alleine hier hätte ich Stunden zubringen können, doch da waren ja auch noch die 2019er temporären Ausstellungen:

  • 28.04. – 03.11.19: 75. Geburtstag von Prinzessin Benedikte zu Dänemark und zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg (*29.04.1944), in der die verschiedenen Aspekte ihres Lebens (Pfadfinderinnen, Reiten, Diplomatie) sowie einige ihrer Kleidungstücke gezeigt wurden
  • 28.06.-29.09.19: Abschlussausstellung der Designschule Kolding mit Möbeln, Kleidungsstücken, Kunstgegenständen und sogar Spielzeug
  • 08.07.-.01.09.19: Kartons für Koldinghus-Gobelins, die ich erst später auf der Internetseite entdeckt habe, aber nicht beim Durchwandern des verwinkelten, labyrinthischen Gebäudes

Für die Kinder waren jedoch die Mitmach-Aktivitäten das Beste unseres Besuchs. Stolz haben sie mit dem Fechtmeister über ihren Sport geplaudert und dabei erfahren, dass die Regeln, nach denen heute gefochten wird, eingeführt wurden, nachdem im fünfzehnten und sechszehnten Jahrhundert völlig ohne Regeln gefochten wurden und es in den Duellen einzig darauf ankam, nach der neuesten Mode zu töten bzw. Getötet zu werden. Die Kinder durften sogar mit stumpfen Repliken alter Waffen mit dem Fechtmeister Scheingefechte ausführen, allerdings haben sie das nur kurz durchgehalten, weil die damaligen Waffen doch deutlich schwerer waren als die heutigen Sportdegen. Danach haben sie sich dann beim Fächerfalten erholt. Und später dann haben wir trotz der sommerlichen Wärme alte Kostüme anprobiert. Töchterchen und ich finden ja, dass die Kleidung damals mehr hermacht als die Jeans heutzutage. Doch unsere Männer fanden die bunten und stark verzierten Kleidungsstücke eher albern und haben sich nur uns zuliebe für ein kurzes Foto verkleidet.

Ein rundum gelungender Sonntagsausflug, von dem wir glücklich und auch ein wenig erschöpft zurück gekommen sind, um den Tag am Strand ausklingen zu lassen.

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.