Sterne aus Christansfeld

Als der dänische König Christian VII., der zeitgleich auch Herzog von Schleswig war, 1768 in den Niederlanden die Stadt Zeist besuchte, war er von den Herrnhuter Brüdergemeinde beeindruckt, von ihrem Fleiß und ihrem Handwerkgeschick. Er war so beeindruckt, dass er ihnen 3 Jahre später gestattete, in Schleswig zu siedeln. Bereits am 01. April 1773 wurde der Grundstein für das erste Haus gelegt und somit die Stadt offiziell gegründet. Aus Dankbarkeit nannten die Siedler ihre neue Stadt Christiansfeld. – Und so beeindruckt, wie der dänische König vor 250 Jahren war, so sind wir Besucher dieser historischen Stätte heute.

Die Brüdergemeinde errichtete ihre Stadt streng geometisch in einem barocken, rechtwinkligen Straßennetz mit der Lindenallee als Hauptachse. Gemäß ihrer Kirchentradition errichteten sie ein Brüder- und ein Schwesternhaus, in denen die ledigen Mitglieder der Brüdergemeine getrennt nach Geschlecht bis zu ihrer Hochzeit wohnten, ein Witwenhaus, eine für die Glaubensrichtung typisch schlichte Kirche, welche bereits 1777 geweiht wurde, eine Mädchen- und Jungenschule, die Apotheke, ein Spritzenhaus und das Pastorat – alle in hellgelben Backsteinen, was für ein harmonisches Stadtbild sorgt. Daher hat der Ort seit dem 4. Juli 2015 den Status eines UNESCO Weltkulturerbes.

Ihr Handwerksgeschick hatten die Siedler nach Christiansfeld mitgebracht und schon bald florierte die Wirtschaft (sicherlich auch aufgrund der gewährten Zollfreiheit): Es wurden Handschuhe genäht, Kerzen gezogen, Seifen gekocht und Lebensmittel produziert. Bis heute berühmt sind die Honigkuchen (dänisch: Honningkager), deren Rezept die Siedler aus ihrer Heimat mitbrachten. Auch heute noch bieten alle Bäckereien des Ortes Honigkuchen in vielfältigen Formen und Farben an.

Wir haben in mit einer Tasse Kaffee im Garten der alten Apotheke genossen. Statt Medikamenten werden hier heute neben Kaffee und Kuchen auch Garne zum Stricken verkauft, sowie schöne Dekorationsartikel und Antiquitäten nachempfundene Alltagsgegenstände wie Türklopfer, Schilder, Garderobenhaken und ähnliches.

Als wir vor einigen Jahren schon mal hier waren, gefielen mir die Herrnhuter Sterne so gut, und so habe ich mir dieses Jahr den Traum eines solchen Sterns erfüllt. Ich habe ihn mir von meinem lieben Mann zu unserem diesjährigen Hochzeitstag gewünscht – einen großen für draußen an die Eingangstür und einen kleinen für mein Nähzimmer. Gut, dass kurz nach unserem Jubiläum die Adventszeit beginnt – ich freue mich schon darauf, die beiden Schätze aufzuhängen.

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