Vom Glück, eine Wahl zu haben

Seit 3 Tagen läuft die Europawahl, und heute sind dann auch endlich bei uns die Wahlkabinen geöffnet. Wieviele von den 427 Millionen wahlberechtigten Bürgerinnen und Bürger aus noch 28 Mitgliedsstaaten von ihrem Wahlrecht wohl Gebrauch machen werden, die 751 Abgeordneten des Europaparlaments zu wählen?

Aus Großbritannien, Irland und den Niederladen liegen schon die ersten Hochrechnungen vor. Es sieht so aus, als sei die Wahlbeteiligung leicht höher als bei der letzten Wahl 2014. Auch Tschechien hat schon gewählt, allerdings verlautet von dort, dass nur jeder 5. Wahlberechtigte seine Stimme abgegeben habe. Und das obwohl der tschechische Präsident Milos Zeman vor der Wahl die Nichtwähler eindringlich davor gewarnt davor gewarnt hatte, ihr Schicksal damit in fremde Hände zu legen. So sagte der 74-Jährige am Freitag, als er seine Stimme für das EU-Parlament abgab: „Wenn die Menschen nicht zur Wahl gehen, riskieren sie, dass andere zur Wahl gehen und ihnen die Hölle auf Erde bereiten“. (Mehr zur aktuellen Entwicklung der Europawahl gibt es im Europawahl-Ticker der Welt.)

Auch die bekannte deutsche Schauspielerin Uschi Glas forderte die Menschen auf, wählen zu gehen, weil das Wahlrecht in einer Demokratie ein großes Privileg ist: „Deswegen ist jeder, der Verantwortung trägt und sich verantwortlich fühlt für sein eigenes Leben, eigentlich wirklich fast verpflichtet, wählen zu gehen“. Recht haben sie beide!

Es ist erst 100 Jahren her, dass Frauen überhaupt wählen dürfen. Unsere Ahninnen haben lange für dieses Recht kämpfen müssen und würden sich jetzt im Grabe herum drehen, wenn sie sähen, dass es heute nur von einem Bruchteil der Frauen genutzt wird. Selbst wenn man mit den zur Wahl stehenden Parteien nicht identifzieren kann oder mit den zur Wahl stehenden Personen unzufrieden ist, so kann man das mit einem leeren Wahlzettel deutlich machen. Das zeigt, dass man mit der Politik unzufrieden ist. Alles andere vermittelt nur, dass man sich für die Politik nicht interessiert und zu faul ist, eine halbe Stunde für die Wahl zu investieren – eine sichere Legimitation für alle Politiker, ihre Wähler für einfältig zu halten und sich nicht an ihre Wahlversprechen zu halten.

Sicher gibt es Fälle, bei denen ein Nicht-Wählen entschuldbar ist – zum Beispiel im Koma liegen, ein plötzlicher Todesfall, schwere Demenz oder ein Unfall auf dem Weg ins Wahllokal. Alles andere – Urlaub, längere Krankheit, Geburt eines Kindes, Hochzeit, Geburtstag – ist vorhersehbar, so dass die Briefwahl genutzt werden kann. Nicht zu wählen, bedeutet auf jeden Fall das Falsche zu wählen. In diesem Sinne hoffe ich, dass alle wahlberechtigten Menschen von ihrem Recht Gebrauch machen, damit dieses Recht auch nachfolgenden Generationen noch zugestanden wird.

Ganz davon abgesehen mag ich die Spaziergänge ins Wahlbüro. Die Bürgersteige sind deutlich voller als an anderen Sonntagen, denn das Dorf geht wählen. Auch die Biergärten sind gut gefüllt, denn nach dem Kreuz auf dem 40-Parteien-langen Wahlzettel braucht es eine Stärkung und einen Austausch über die amüsanten Namen mancher Parteien.

Doch statt des Halts im Biergarten ziehe ich den Plausch am Bücherschrank der Schrank der Schule vor. Ich habe mir zur Belohnung ein „neues“ Buch gegönnt, das ich nun im Garten lesen werde. Vielleicht gönne ich mir auch noch eine digitale Shopping-Tour, denn es gibt bei fruBlomgren 20% Rabatt anlässlich der Wahl und viele amerikanische Anbieter haben Rabattaktionen wegen ihres Memorial Days, der morgen gefeiert wird.

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