Muttertagsglück

Der Muttertag, den wir heute feiern, wurde von der US-amerikanischen und englischen Frauenbewegung geprägt. Ab 1865 organisierte Ann Maria Reeves Jarvis Muttertagstreffen, an denen sich Mütter zu aktuellen Fragen austauschen konnten, u.a. wurde hier diskutiert, dass Söhne nicht mehr in Kriegen geopfert werden sollten.

Ihre Tochter Anna Marie Jarvis veranstaltete am 12. Mai 1907 dann zu Ehren des 2. Todestages ihrer Mutter ein Memorial Muttertagstreffen, das ihr so gut gefiel, dass sie sich anschließend bemühte, einen Feiertag für alle Mütter einzurichten. Ihre Initiative war so erfolgreich, dass schon sieben Jahre später im Jahr 1914 der amerikanische Kongress das Gesetz zum Muttertag verabschiedete.

Schnell verbreitete sich dieser Feiertag, sicherlich auch, weil er sich ähnlich wie der Valentinstag kommerziell gut nutzen lässt. So feiern wir ihn in Deutschland seit 1923 aufgrund einer Initiative des Verbands Deutscher Blumengeschäfteinhaber! Diese freuen sich auch heute noch darüber, und jede Menge anderer Produzenten sind inzwischen auf diesen Zug mit aufgesprungen (sogar die Stickmusterherstellerinnen, wie meine Blogbeiträge zu den Vorbereitungen auf Muttertag zeigen).

Diese Kommerzialisierung „ihres“ Feiertags gefiel der Initatiorin so wenig, dass sie schließlich erfolgslos für die Wiederabschaffung des Feiertags kämpfte. Und damit ist sie nicht die einzige, denn viele moderne Frauen wollen sich nicht auf die etwas angestaubte Mütterrolle reduzieren lassen, wie ein bissiger Artikel in der FAZ zeigt.

Eine Abschaffung dieses „Feiertages“ wird jedoch sicherlich nicht dafür sorgen, dass Mütter im Beruf und bei der Rente nicht mehr benachteiligt werden, dass es wieder mehr Hebammen und echte Geburtshilfe gibt, dass Mütter (insbesondere auch Alleinerziehende) dabei unterstützt werden, Familie und Beruf zu vereinbaren. Stattdessen ist es an der Zeit, dass wir uns auf die Ursprünge des Muttertages besinnen, auf seine Geburt in der Frauenbewegung: Der Muttertag muss wieder politisch werden – genauso wie der Tag der Arbeit und der Weltfrauentag. Was wir brauchen, sind Demonstrationen und eine Lobby für mehr Unterstützung in gesundheitlichen, finanziellen und beruflichen Belangen, für Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern und im Vergleich zu denen, die sich für die Kinderlosigkeit entscheiden.

Trotzdem freue ich mich jedes Jahr sehr über die schönen Basteleien, die meine Kinder in Kindergarten bzw. Schule angefertigt haben; diese möchte ich keinesfalls missen. In diesem Jahr hat mein Sohn das im Blogbeitrag gezeigte kunstvolle Nagel- und Fadenbild gebastelt, auf das er sehr stolz ist, sowie eine schöne Karte.

Auf der weiterführenden Schule nehmen sich die Lehrer leider nicht mehr die Zeit dafür. Oder ist unter der Würde der Kunstlehrer, dass die Kinder unter ihrer Ägide etwas für ihre Mütter zum Muttertag zaubern? Schade. Stattdessen hat meine Tochter daher den Tisch schön gedeckt.

Dadurch fühle ich mich in keinster Weise auf meine Mutterrolle reduziert. Nein, es ist der eine Tag im Jahr, in dem genau diese Rolle honoriert wird, die mein täglicher Motor für Höchstleistungen ist, selbst wenn es sich anfühlt, auf dem Zahnfleisch zu gehen. Alle anderen Rollen haben auch ihre Feiertage im Jahr:

  • der Geburtstag für mich als Person,
  • der internationale Frauentag für mich als Frau,
  • der Hochzeitstag für mich als Ehefrau,
  • der Zahltag für mich als Berufstätige
  • (und falls es ein Job mit Jahresbonus ist, dann ist die Ausszahlung desselben der Tag der Karriere).

Warum soll das der Mutterrolle kein eigener Tag zustehen? Wo es doch für alle Merkwürdigkeiten einen eigenen Tag gibt? Immerhin müssen wir Mütter uns diesen Tag sogar noch teilen, nämlich mit der Gurke, dem Hodometer (Wegmesser) und der Pflege …

Und wie steht Ihr zum Muttertag?

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