Eine kleine Reise ist genug, um uns und die Welt zu erneuern.

Sagte einst der französische Schriftsteller Marcel Proust. Auch wenn dieser schon vor fast 100 Jahren von uns gegangen ist, so ist diese Aussage doch zeitlos zutreffend, wie wir in unserem Osterurlaub auf der kanarischen Insel Lanzarote festgestellt haben.

Lanzarote, die vulkanischste der Kanarischen Inseln, wirkt auf den ersten Blick öde. Dass sie einst die Kornkammer des Archipels war, mag man heute kaum glauben. Denn die schwarze Vulkanasche prägt die Insel. Als am 1. September 1730 sich die Erde wieder auftat und Feuer spie, zerstörte sie den fruchtbaren Teil der Insel. Es sollte 94 Jahre dauern, bis die Insel nach 1824 endlich wieder zur Ruhe kam. Diese vulkanische Phase hat das Antlitz der Insel nachhaltig verändert. Was damals verheerend für die Bevölkerung war, ist nun ein Touristenmagnet.

Die Vulkanschlote, die Ascheberge und die erstarrten Lavaströme, die im Nationalpark „Timanfaya“ (Feuerberge) in verschiedenen Rot- und Ockertönen sowie dem allgegenwärtigen Ascheschwarz leuchten, wecken tiefe Erfurcht. Die mutigen kleinen Pflanzen, die in dieser unwirtlichen Landchaft Fuß gefasst haben und gedeihen, erstaunen den Betrachter.

Dass in dieser schwarzen Ödnis mehr als Algen wachsen können, ist im Weinanbaugebiet La Geria gut zu erkennen. Dort wachsen Wein, Feigen und Zitrusfrüchte in Hülle und Fülle. Die schwarze Lavaasche speichert die Wärme und auch den Tau, kleine Mäuerchen schützen die Pflanzen vor dem Wind, so dass sie gut gedeihen und reichlich Früchte tragen. So wurde aus dem Fluch wieder ein Segen für die Landwirtschaft, aus der Kornkammer ein Weinkeller.

Doch unter dieser Idylle arbeitet die Erde immer noch. Im Timanfaya wird über der Erdwärme gegrillt. Ein Eimer Wasser in einem Schlot wird in wenigen Sekunden zur heißen Wasserfontäne und ein kleiner, trockener Strauch im Erdloch brennt nach einer Minute lichterloh!

Wenn das Meer bei Los Hervideros auf den erkalteten Lavastrom trifft und die Gisch hochschlägt, dann fühlt sind die Naturgewalten selbst bei gutem Wetter fühlbar und lassen uns dankbar sein, dass wir diese nicht unmittelbar in ihrer ganzen gefährlichen Herrlichkeit erleben müssen sondern nur ihre Folgen bestaunen dürfen.

In El Golfo, dem Vulkan, der schon zur Hälfte vom Meer zurückerobert wurde, fasziniert der grünschimmernde See. Als ich vor 35 Jahren das erste Mal hier war, da konnte man noch zum See gehen und am Strand zwischen See und Meer liegen. Inzwischen ist der einst große See vergleichsweise nur noch eine kleine Pfütze und zu seinem Schutz vor den Toursten abgezäunt. Hoffentlich hilft ihm das, sich wieder zu erholen, dieser wunderbaren Kulisse aus dem Film „Enemy mine“.

Lanzarote hat noch mehr zu bieten als atemberaubende Lavalandschaften, doch davon demnächst mehr. Jetzt ist es an der Zeit, mit glücklichen Urlaubserinnerungen ins Bett zu gehen.

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