Lichterloh für Lutterloh

Letzte Woche Samstag habe ich spontan eine Vorführung im Stoffladen besucht. Vorgestellt wurde das Schnittmuster-System vom „Golden Schnitt“, das 1935 von einer deutschen Schneiderin entwickelt wurde. Versprochen wurde, dass damit jeder innerhalb von 10 min sich einen maßgenauen Schnitt für den eigenen Körper erstellen kann. Ob das stimmen kann?

Grundlage des Systems sind die von Leonardo da Vinci erkannten Proportionen des menschlichen Körpers. So sind z.B. bei jedem Menschen die zwei äußeren Glieder des Zeigefingers so lang wie die eigene Nase. Total unnütz dieses Wissen, aber irgendwie auch witzig.

Zurück zum Thema. Die Lutterloh-Schnitte sind wie für Barbiepuppen gezeichnet und müssen anhand der eigenen Maße vergrößert werden. Dazu sind nur zwei Maße nötig: Oberbrustumfang und Hüftweite. Nun nimmt man das zum System gehörige spezielles Maßband, um dem gewählten Schnitt zu vergrößern. Dieses spezielle Maßband hat an einem Ende eine Meßlatte von 50 bis 140 mit kleinen Löchern an jeder Zahl.

So, wie komme ich nun von meinem Mini-Modell zu einem für mich passenden Schnittmuster? Als erstes befestige ich den Mini-Schnitt mit Tesafilm in der Mitte des Zuschnittpapiers. Dann stecke ich eine Stecknadel durch die Meßlatte an der Stelle 100 (meine Oberbrustweite) und in das auf dem Schnittmuster eingezeichnete Kreuz. Nun richte ich das Maßband an der Linie eines Punktes oberhalb der Taillienline aus, suche am Maßband die Zahl, die neben meinem Punkt steht, und markiere diesen auf dem Zuschnittpapier. Dies wiederhole ich für alle Punkte oberhalb der Taillienlinie. Für die Punkte unterhalb der Taillienlinie muss ich die Stecknadeln im Maßband in meine Hüftweite umstecken und ansonsten genauso verfahren.

Wenn ich alle Punkte übertragen habe, verbinde ich die Punkte mit Hilfe von Kurvenlinealen und übertrage weitere Markierungen wie Fadenlauf, Knöpfe, Taillienlinien, usw. Damit habe ich den Rohschnitt, den ich nun an meine Figur anpassen kann. D.h. ich schaue, ob ich an der ein oder anderen Stelle verkürzen oder verlängern sollte und nehme am Körper die Abnäher ab. Dann erst ist mein persönlicher Schnitt fertig. Beim Stoffzuschnitt muss ich dann noch die Nahtzugabe mit berücksichtigen.

Der nette Herr in der Vorführung, wohl ein Enkel der Erfinderin, hatte dies soweit am Beispiel einer der anwesenden Damen erklärt, die eine kleine, gerade Figur hatte. Dann wollte er veranschaulichen, wie sich das vorgestellte Schnittmuster bei einer anderen Figur ändert. Seine Wahl file auf mich, denn ich war fast zwei Köpfe größer und mit einer birnenförmigen Figur deutlich anders gebaut als die erste Dame. Er nahm meine Maße, und wollte dann zur Tat schreiten. Doch ich bat ihn, selber das Schnittmuster übertragen zu dürfen. Nochmaliges Zuschauen hätte mir keinen Mehrwert gebracht.

Er war zu verblüfft, um zu widersprechen, denn soetwas war ihm noch nie passiert (und da er eher aussah, als wären wir ähnlich alt, war er auch nicht mehr ganz frisch im Geschäft), wie er später sagte. Jedenfalls übertrug ich ruckzuck meine Maße auf das Schnittmusterpapier, nicht so elegant von hinter der Schautafel wie er und am Ende vergaß ich den Übertrag der Taillenlinie und der Knöpfe. Doch das Prinzip ist tatsächlich einfach und schnell umzusetzen, jedenfalls schneller als das Ausdrucken, Zusammenkleben und Ausschneiden der E-Books, mit denen ich sonst arbeite.

Damit hatte er mich überzeugt und ich gönnte mir am Ende der Vorführung das gesamte System, welches aus einem Ordner mit einer kurzen Anleitung, 280 Schnitten für Damen, Herren und Kinder, sowie einem Werkzeugset besteht. Zusätzlich gab es im Angebot 2 Kurvenliniale. Alles zusammen für 100€ an diesem Tag, was sonst lt. Internet-Seite 153€ bzw. 129€ im Angbot kostet.

In der vergangenen Woche habe ich nun mal ein wenig in meinem Ordner geblättert und mir die Schnitte, die mich interessieren herausgesucht, und bin auf stolze 52 gekommen. Das hätte ich nicht gedacht. So schnell werde ich wohl kein Ergänzungsheft benötigen, denn hiermit werde ich wohl eine Weile beschäftigt sein.

Ich bin gespannt, wie ich mit diesem System zurecht kommen werde, denn im Gegensatz zu den E-Books oder den Burdaheften gibt es hier zu den Schnitten keine Anleitung, in welcher Reihenfolge und mit welchen Techniken hier gearbeitet werden soll. Verständlich, ist ja schließlich von einer Schneiderin entwickelt worden.

Nun, mal sehen, wann ich mich das erste Mal trauen werde, einen Schnitt auszuprobieren. Ich werde darüber berichten.

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