Wie verstärke ich eine Tasche?

Der neue Unterfadenspulenhalter ist leider noch nicht geliefert worden, so dass ich derzeit nicht Sticken kann. Daher „muss“ ich halt mehr nähen. Wobei das Nähen ja nur ein kleiner Teil eines Nähprojekts ist. Das Schnittmuster vorbereiten, das Zuschneiden, das Stecken und das Bügeln nehmen immer viel mehr Zeit in Anspruch. Ganz zu schweigen von der Auswahl des Projekts, wo ich doch so viele Ideen habe.

Nachdem ich letzte Woche mit verschiedenen Vorbereitungen beschäftigt war, habe ich mich schließlich dazu entschieden, endlich meine Leoparden-Tasche in Angriff zu nehmen. Ich hatte überlegt, ob ich die Tasche entgegen der Anweisung im Schnittmuster völlig ohne Verstärkung zu nähen, weil ich eine leichte Tasche haben wollte. Doch in der NameFabric-FanGruppe hat man mir davon abgeraten. Die Tasche würde besser mit Verstärkung wirken. Doch womit verstärke ich eine Tasche?

Meine Schildkrötentasche hatte ich ja mit dickem Vlies verstärkt, aber das war mir zu schwer. Was also nehmen? Die Damen aus der Gruppe empfahlen Decovil und dass die Außenseite mit dickem und die Innenseite mit dünnem Vlies verstärkt werden solle. Also habe ich dann mal Spezial-Vliese bestellt: Decovil und Decovil light. Diese gibt es als Meterware in 90cm Breite. Dieses beige Vlies fühlt sich ähnlich an wie einseitig beschichteter Bastel-Karton. Die Light-Variante ist von der Stärke her wie Tonpapier und die andere mehr wie Tonkarton. Es soll auf die Rückseite des Stoffes gebügelt werden, doch wie genau?

Da das Vlies ohne Anleitung geliefert wurde, habe ich erst einmal recherchiert und auf der Hersteller-Seite (Vlieseline) folgende Anleitung gefunden:

  1. Einlage mit der beschichteten Seite auf die linke Seite des Oberstoffes legen.
  2. Mit einem feuchten Tuch abdecken und das Bügeleisen – Schritt für Schritt – ca. 6 Sek. aufdrücken.
  3. Lassen Sie die Teile nach dem Fixieren ca. 30 Min. flach liegend auskühlen, damit sich die Haftung stabilisieren kann.

Klingt ja gar nicht so schwer. Also mal schnell zuschneiden. Wobei, schnell geht da gar nix bei mir. Das Zuschneiden ist für mich stets die größte Hürde beim Nähen. „Miß zweimal, schneide nur einmal.“ Hat meine Urgroßmutter wohl immer gesagt, und die war immerhin Schneidermeisterin. Leider habe ich bei ihr nicht mehr lernen können, denn sie starb, als ich gerade einmal ein Jahr alt war. Zum Glück haben meine Oma und meine Mutter mir ein paar ihrer Weisheiten weitergegeben können. Doch obwohl ich schon einige Jahre nähe, fällt mir das Zuschneiden immer noch schwer. Jedenfalls der erste Schnitt. Wenn ich den überwunden habe…

Und auch das Anwenden von etwas Neuem will mit Bedacht ausgeführt werden. Daher habe ich heute zunächst einmal für den äußeren Taschenboden Decovil zugeschnitten und nach Anleitung aufgebügelt. So kann ich sehen, wie sich der Stoff damit anfühlt und am Taschenboden wäre es nicht so schlimm, wenn es mir nicht gefiele.

Außerdem habe ich zum Auskühlenlassen nur das Bügelbrett zur Verfügung, also ist heute sowieso keine Zeit mehr für weitere Arbeitsschritte. So kann das gebügelte Vlies ausreichend auskühlen, bevor ich morgen prüfe, wie sich der Außenstoff mit der starken Verstärkung anfühlt. Ich glaube nämlich, dass mir diese starke Verstärkung für Boden und Trageriemen reicht und dass ich die äußeren Seiteteile dann mit Decovil light verstärke. Den schön fließenden Innenstoff will ich nicht verstärken, denn dann würde er ja nicht mehr so fließend fallen. Nun, mal schauen.

Wie macht Ihr das bei Euren Taschen? Nutzt Ihr auch Decovil? Welche Erfahrungen habt Ihr damit?

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