Glück ist – gute Freundinnen zu haben

Sonntag ist Märchentag, und das „sie lebten glücklich bis an ihr Lebensende“ hinterlässt bei mir immer ein so wohliges Gefühl. Doch aus dem echten Leben weiß ich, dass dies eher selten der Fall ist. Früher beendeten Krieg oder Krankheit oft das Eheleben frühzeitg. Auch heute kommt das immer mal wieder vor, wenn auch deutlich seltener. Aber ganz oft gehen Partner, die sich mal ewige Liebe schworen, irgendwann doch getrennte Wege, vielleicht weil sich der irgendwann einschleichende Alltag doch nicht als ganz so großartig herausstellt, wie sich das Märchenende anhört. Dies besingen Marv & Philipp Dittberner so treffend in „Wolke 4“.

Ihr Vorschlag für langhaltendes Glück ist es, die großen Tage unter kleinen Dingen zu begraben und sagen treffend „denn der Moment ist das, was es dann zeigt“. Nun mag man sich darüber streiten, was die großen Tage im Leben oder was die kleinen Dinge sind. Ich für mich habe festgestellt, dass ich mich oft nur an einzelne Momente erinnere. Ein Wort hier, eine Geste dort. Oft habe ich einem solchen Moment in eben jenem Augenbllick gar nicht die Bedeutung zugemessen, die er dann später in meiner Erinnerung bekommt.

Heute saß ich mit einigen meiner Freundinnen zusammen, und wir überlegten für eine Glückwunschkarte, was wir schon alles gemeinsam erlebt haben. Ein Wort ergab das andere und aus den Tiefen unserer Erinnerung stiegen wundervolle Erinnerungen hoch. Wisst Ihr noch, wie es damals war?

  • Als wir nach monatelanger Vorbereitung und unzähligen Klingen, die wir für die Tombola geputz hatten, am Ende der 125-Jahrsfeier der Schule von vielen Seiten hörten, wie schön das Fest geworden war – in dem Moment waren wir zu beschäftigt damit, das Fest in geordneten Bahnen zu beenden, dass uns das Glück erst Tage später bewußt wurde
  • Als wir nach hunderten von Gießkannen während des Sommers dann Erntedank mit Bergen von Tomaten im Schulgarten feierten – erst als wir Tage später die Fotos sortieren, die glücklichen Kinderaugen sagen und uns an den Geschmack der Tomaten erinnerten, fühlten wir das Glück jener Momente
  • Als wir gemeinsam im Kino weinten, weil die Sufragetten so für unser Wahlrecht gekämpft und dabei gelitten haben – sicherlich ein traurige Erinnerung an den Film, doch das gemeinsame Erleben macht das Erlebnis bittersüß.

Und der heutige Tag mit dem gemeinsamen Frühstück im Café und dem anschließenden Bastelnachmittag gehört eher zu den unscheinbaren, unspektaklären Tagen, und doch zählt er zu den glücklichen Momenten. Nicht wegen des duftenden Kaffees oder dem leckenen Sandwich, sondern wegen der anregenden Gespräche, wegen der Befriedigung, dass wir uns so gut ergänzen, dass wir ohne viel Worte und ohne Unstimmigkeiten, ein schönes Geschenk zaubern können, und nicht zuletzt wegen des gemeinsamen Wiederdurchlebens vergangene Glücksmomente.

Und nun gehe ich zutiefst dankbar und glücklich ins Bett.

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