Ein guter Tag

Beim abendlichen Märchenvorlesen fragte mich meine Tochter heute heute nach dem typische Abspann „und sie lebten glücklich bis an ihr Lebensende“, was das denn bedeuten würde. Ein wahrlich schwierige Frage. Denn was ist Glück?

Im Deutschen hat Glück zwei Bedeutungen:

  1. den positiven Zufall oder (un)verdienten positiven Umstand, im Sinne von „Glück haben“
  2. den positiv empfundenen Zustand, im Sinne von „Glück empfinden“

Im Englischen ist das einfacher zu unterscheiden. Der erste Fall heißt „luck“ und der zweite „happiness“. Im Märchen ist sicherlich der zweite Fall gemeint. Doch was heißt das eigentlich? Ist man automatisch glücklich, wenn man seinen Lieblingsmenschen gefunden und ihn geheiratet hat? Nein, wohl leider nicht, denn sonst gäbe es ja nicht so viel Scheidungen.

Über die innere Zufriedenheit, die zu Glückempfinden führt, berichten die Menschen selten, es wird mehr darüber geredet, was schlimm und schlecht ist: das Gesundheitszipperlein, dass die Spritpreise gestiegen sind, dass es im Moment keinen Erdbeerjoghurt gibt, wie blöd Politiker XY ist, und und und

Doch der Advent steht vor der Tür, die sogenannte besinnliche Zeit, die meist eher hektisch ist. Daher beginne ich mit den guten Vorsätzen gleich heute, denn ich will mich nun sonntags tatsächlich besinnen und mir Gedanken darüber machen, was mich glücklich macht und wobei ich innere Zufriedenheit spüre und wie ich mich mehr auf das Glücklichsein konzentrieren kann.

Da fange ich heute mal zum Einstieg mit dem Offensichtlichen an: Das Sticken bereitet mir sehr viel Freude. Daher habe ich mir gleich einen zu meinem Vorsatz passenden Motivationsspruch für mein Lieblingszimmer gestickt: Heute ist ein guter Tag, um einen guten Tag zu haben (Motiv von EmbroiderLibrary).

Zur Belohnung habe ich mir eine gute Tasse Tee gekocht. Und zwar den grünen Tee aus China, den mir neulich der Mann einer lieben Freundin geschenkt hat. Dieser Tee riecht und schmeckt wunderbar, obwohl er gänzlich unparfümiert ist. Mit geschlossenen Augen genieße ich den Geschmack des Tees und erinnere mich an die Reisen, die wir früher gemacht haben: Thailand, Hongkong, Ceylon (das jetzt Sri Lanka heißt), …

Doch diese Bilder werden schnell verdrängt von den Erinnerungen an unsere Sommerurlaube in Dänemark mit den Kindern, als ihre fröhliche Stimmen aus dem Nachbarzimmer dringen. Wohlige Erinnerungen überfluten mich, Erinnerungen an Dünenwanderungen, an Legoland, an die Wikingermuseen und an das über Flohmärkte bummeln. Als ich die Augen wieder öffne, um Tee nachzuschenken, fällt mein Blick auf das kleine Herz, das ich letzten Sommer auf dem Flohmarkt in Tarm gekauft habe. Es ist ein traditioneller dänischer Weihnachtsschmuck, der jetzt ebenfalls mein Nähzimmer ziert und mich so an diese schönen Zeiten erinnert.

2 Antworten auf „Ein guter Tag“

  1. Ja, wer sagt denn, dass man mit guten Vorsätzen immer nur zu Neujahr starten kann? Klasse Idee, die „besinnliche Zeit“ im Advent so produktiv zu nutzen. Es tut uns gut, zur Ruhe zu kommen, und das auch gebührend zu zelebrieren. Gerne mehr davon!

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