Workshop-Tag 3: Unverhofft kommt oft

Eigentlich war für heute ja der Bericht über unsere fertigen Quilts vorgesehen, den meiner Tochter und mein eigener. Nun, sie sind auch tatsächlich fertig geworden, doch wie das im Leben so ist, ist dann etwas dazwischen gekommen, das uns jetzt so beschäftig, dass ich heute darüber berichten will. Das ist jedoch nur etwas für Leute mit starken Nerven. Wer kein Blut sehen kann, der sollte jetzt NICHT weiterlesen.

Also, Töchterchen und ich starteten heute morgen ausgeschlafen und voll motiviert in den Workshop. Daher schafften wir es, unsere Quilts bis zum Mittagessen fertig zu stellen. Für den Nachmittag hatten wir uns dann weitere Arbeiten vorgenommen: ich wollte an Wandquilt Nr. 2 weiter arbeiten und sie sich passend zu ihrem Quilt noch einen Kissenbezug nähen sowie vielleicht noch eine Tasche für den Transport. Frohen Mutes arbeiten wir so vor uns hin. Sie hatte noch 2 lange Nähte vor sich, und ich ging in den Nebenraum, um meine Stücke nebeneinander zu legen. Als plötzlich Christa, die Kursleiter neben mir stand und sagte: „Komm doch mal rüber. Deine Tochter hat da ein Problem mit der Nadel.“

Ich wußte sofort, was sie meinte und eilte in den Nebenraum. Meine arme Tochter. Sie saß ganz tapfer neben der Nähmaschine. Die Nadel steckte mitten im Mittelfinger und schaute unten wieder heraus. Als Töchterchen mich sah, fing sie an zu schluchzen. Oje, was tun? Ich versuchte die Nadel zu lösen, um ihre Hand aus der Maschine zu ziehen. Das war gar nicht so einfach. Meine Hände waren nicht so ruhig, wie ich es mir gewünscht hätte. Und ungeduldig war ich auch, ich wollte so schnell wie möglich die Nadel herausziehen. Als ich endlich die Hand befreit hatte, sah ich, dass es so einfach nicht werde würde, denn die Nadel hatte sich in den Nähfuß gebohrt und saß dort bombenfest. Dicke Tränen kullerten meiner Tochter über die Wange, und ich glaube, auch in den Augen der Kursleiterin schimmerte es feucht.

Mir wurde heiß. Töchterchen war so tapfer, versuchte in all ihrem Schmerz auch noch Witze zu machen und entschuldigte sich dafür, dass sie so viel Wirbel verursachte. Ich wollte eigentlich sofort mit ihr ins Krankenhaus fahren, aber es waren nur noch 30 Minuten bis Kursende und dann sollte eigentlich alles wieder im Auto verstaut sein: unser fertigen Quilts, die 3 Taschen mit den Materialien und natürlich meine gute Nähmaschine. Der Hausmeister schlug vor, dass er den Krankenwagen ruft, damit die Sanitäter vor Ort die Nadel aus dem Finger holen. Ein guter Vorschlag.

Während wir auf die Sanitäter warteten, hielt ich abwechselnd meine Tochter im Arm und räumte unsere 7 Sachen zusammen. Schließlich kamen die zwei, waren erst ein wenig salopp, doch als sie die Patienten und den Tatbestand sahen, wurden sie andächtig. Nein, sie konnten vor Ort nichts machen, außer den Finger mit mit ein wenig Mull zu verbinden und uns ins Uniklinikum zu fahren. Also rief ich meinen Mann an, der dann zur VHS kam, um dort unsere Sachen einzupacken und anschließend uns im Krankenhaus abzuholen.

Der Arzt im Uniklinikum war noch ein junger Arzt, immerhin war ja Sonntag, und auch weder des Nähens noch des Deutschen so ganz mächtig. Seine erste Idee war es, den „Draht“ mit einer Schere durchzuschneiden. Da die Schere dem „Draht“ nicht wirklich etwas anhaben konnte, sollte ich das Plastik vom Nähfuß lösen, damit die Nadel besser zu entfernen sei. Ich schlug vor, zunächst einmal den Finger zu betäuben und dann einen Seitenschneider zu benutzen. Gesagt, getan. Nach der Spritze sagte meine Tochter zum Arzt: „Sie sind ja ein ganz guter Arzt, aber kann jetzt bitte der Oberarzt weitermachen.“ Mir jedenfalls wird ihr Schrei noch Tage in den Ohren klingen.

Dann holte er einen medizinischen Seitenschneider, der für mich mehr wie eine Astschere aussah. Mir wurde Angst und Bange, wie wollte er denn damit zwischen Finger und Nähfuß kommen, ohne ihr den Finger gleich mit abzuschneiden? Doch wir hatten Glück, während er versuchte, das Werkzeug in Position zu bringen, fiel der Nähfuß ab, so dass danach die Nadel ganz einfach mit einer Zange gezogen werden konnte.

Danach hatte der Arzt noch die glorreiche Idee, den Nagel zu entfernen, um das verletzte Nagelbett zu nähen. Ich legte ihm, eine Rücksprache mit dem Oberarzt nahe, der dann meiner Meinung war, dass dies nicht notwendig sei. Es genüge ein Pflaster und noch ein Röntgenbild, um sicherzustellen, dass der Knochen unverletzt blieb. Und dann konnten wir endlich heim.

Puh, was für ein Erlebnis. Morgen kaufe ich erst mal einen Seitenschneider, damit ich beim nächsten Mal selber handlungsfähig bin – natürlich in der Hoffnung, dass es kein nächstes Mal geben wird!

4 Antworten auf „Workshop-Tag 3: Unverhofft kommt oft“

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.