Sag es niemandem – Der 09.11. Ein Wendetag in der deutschen Geschichte

Zu Schulzeiten hätte ich nie gedacht, dass ich mich jemals wieder freiwillig mit dem schwarzen Kapitel der neueren deutschen Geschichte befassen würde – dem 2. Weltkrieg. Denn damals gab es im Geschichtsunterricht kaum ein anderes Thema, und bei jedem Schüleraustausch wurde darauf herum geritten. Damals fragte ich mich, was mich als zweite Nachkriegsgeneration das denn noch angeht und warum man die Geschichte nicht ruhen lassen kann.

Seit meiner Schulzeit hat sich viel verändert, ich habe mich verändert. Und so haben wir ja auch letzte Woche die Lascaris War Rooms angeschaut, in denen 1942 der Kampf um Malta von den Briten gelenkt und schließlich für die Alliierten entschieden wurde. Obwohl wir so viel über diesen Krieg in der Schule gesprochen haben, wußte ich nicht, dass auch Malta umkämpft worden war.
Dann war ich gestern ich mit meinen Freundinnen im Kino, um den Dokumentar-Film „Sag es niemandem“ zu schauen, der nach dem gleichnamigen Buch von Randi und Lillian Crott gedreht wurde. Er erzählt die Liebesgeschichte einer Norwergerin und eines deutschen Soldaten, ein Halbjude, die im zweiten Weltkrieg begann. Eine sehr bewegende Geschichte einer sehr starken, jungen Frau, die gegen allen Widerstände dem Ruf ihres Herzens gefolgt ist. Und auch die Geschichte der Menschen, die aufgrund einer Anteils an jüdischer Abstammung bedroht, gequält und verfolgt wurden.

Ein dunkles Kapitel in der deutschen Geschichte, die heute vor 80 Jahren mit dem Paukenschlag der Reichsprogram-Nacht sichtbar aufgeschlagen wurde. Ein Weg der bereits 15 Jahre zuvor am 9. November 1923 mit dem Hitler-Ludendorf-Putsch begonnen hatte. Auch wenn dieser Putsch scheiterte, bereitete er der NSDAP den Weg. Ein Weg, der noch heute 73 Jahre nach Ende des zweiten Weltkriegs Schatten auf Deutschland wirft. Ein Weg, der nicht nur mir sondern auch meinen Kindern – die 3. Nachkriegsgeneration – Tränen in die Augen und Schamesröte ins Gesicht treibt.

Mit großen Augen schauen sie mich an und fragen: Warum nur haben die das getan? Warum haben die Bomben auf unschuldige Menschen und uralte Kulturdenkmäler geworfen? Bomben, die noch heute im Boden liegen und deren Entschärfung immer noch jährlich Unsummen verschlingt. Warum wurde halb Norwegen niedergebrannt? Warum mußten so viele Menschen in Kriegsgefangenenlagern oder Konzentrationslagern sterben? Warum wurden die Frauen ihrer Liebe willen ausgestoßen? – Sehr berechtigte Fragen. Fragen, auf die ich keine Antwort weiß. Fragen, die sich unsere Enkel oder Urenkel hoffentlich nicht über unsere Zeit werden stellen müssen.

Doch am 9. November wurde nicht nur dunkle Geschichte geschrieben, sondern auch gute. Heute vor 100 Jahren begann die Demokratie mit Beendigung der Monarchie, und vor 29 Jahren fiel die deutsch-deutsche Mauer. Mehr dazu in den Süddeutschen Nachrichten. Ich hoffe, dass die Zukunft mehr solche guten 9. November bringen wird, um die schändlichen Tage aufzuwiegen.

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