Abenteuer Zoll

Vor einigen Monaten entdeckt ich Amerika einen bemerkenswerten Stoffhersteller – Lisa Bee. Sie bedruckt Stoff. Und zwar mit Namen und Daten ganz individuell nach den Vorgaben des Kunden – in verschiedenen Farbkombinationen. So schön! Gleich hatte ich ganz viele Ideen im Kopf für die Kinder – von Täschchen und Taschen bis hin zu Kleidung mit Akzenten aus Namensstoff. Doch welche Farben sollte ich nehmen? Welche Größe? Soll ich überhaupt in Amerika bestellen? Und dann auch noch über Facebook?

Ach, ich überlegte hin und her, schaute immer mal wieder auf die Seite, ließ mich in der Fan-Gruppe von den Werken anderer Kundinnen inspirieren und dann, dann kam passend zu einem Taschenschnittmuster von XOXO Lauren ein Stoffset heraus, das ich mir den Atem raubte – ein Fotodruck eines Leoparden. Den wollte ich unbedingt haben. Also entschied mich, das Abenteuer zu wagen, in Amerika über Facebook etwas zu bestellen. Für Lisa war es auch das erste Mal, eine Sendung nach Deutschland zu verschicken, denn aufgrund der hohen Postgebühren bietet sie das eigentlich nicht an, weil die meisten Kunden dazu nicht bereit sind. Während ich noch mit Lisa die Details meiner Bestellung aushandelte, erschien ein weiteres Taschensset, das ich auch unbedingt haben musste! Also bestellte ich das noch dazu! Als ich meinen Rechnungsbetrag per PayPal beglich, hatte ich ganz schön Herzklopfen! Und dann begann das Warten.

Schon nach einer Woche bekam ich die Nachricht, dass meine Stoffe auf dem Postweg zu mir seien. Ich hoffe, dass die Post, die immerhin 35 Dollar für den Transport verlangte, auch sorgfältig mit meinen Stoffen umgehen würde und sich beeilte – ich war doch so gespannt. Und ich hoffte, dass der Stoff noch rechtzeitig zum Geburtstag des Töchterchens ankommen würde.

Der Geburtstag kam, doch der Postbote nicht. Ich fing schon an zu überlegen, ab wann ich mir Sorgen machen müßte, als schließlich nach 14 Tagen der Postbote endlich kam. Doch welche Enttäuschung – er hatte leider kein Päckchen für mich, sondern nur ein Schreiben vom Zoll, bei dem ich vorstellig werden sollte. Ich sollte meine Rechnung und meine Paypal-Bescheinigung mitbringen.  Huh, damit hatte ich ja so gar nicht gerechnet.

Also machte ich mich gleich am nächsten Tag auf den Weg, ich wollte doch so dringend meinen Stoff haben! Ich hatte auch Glück, ich kam direkt dran. Mit einem der drei Zettel verschwand der Herr zunächst eine ganze Weile, bevor er mit einem kleinen Umschlag wiederkam. Fast war ich ein wenig enttäuscht. Irgendwie hatte ich ein größeres Paket erwartet. „Was haben Sie denn da bestellt?“ wollte er von mir wissen. „Zeigen Sie mir doch mal ihre Rechnung!“ Ich reichte ihm die Paypal-Bescheinigung. Die reichte ihm aber nicht, denn darauf stand ja nur eine Endsumme und nicht, was ich bestellt hatte. Also hatte ich mein Päckchen auszupacken und ihm jedes Stückchen Stoff zu zeigen, zu erklären und ihm meinen Chat-Verlauf in Facebook zu zeigen, damit er den Inhalt des Päckchens der Bestellung und dem gezahlten Preis zuordnen konnte. Während ich auspackte, entdeckte ich sogleich, dass Lisa mir 3 Geschenke eingepackt hatte: 2 Vorlagen für Puppen für meine Kinder, ein Kuschelkissenset und ein Lesekissenset – beides passend zu meiner zweiten Tasche. Ich freute mich riesig und dank der abgestimmten Motive konnte ich auch glaubhaft machen, dass dies zu der Tasche gehörte. Schließlich durfte ich wieder einpacken und hatte fast ein schlechtes Gewissen, denn der Platz war voller Stoffflusen. Aber auch nur fast, denn dann wollte der nette Herr noch wissen, wie der Stoff zusammengesetzt war (Anteil Baumwolle), wie schwer er pro Quadratmeter war und wieviel Quadratmeter jeder Posten der Bestellung war. Puh, ich konnte nur mit den Achseln zucken. Und so wählte er selber die Punkte aus, bis das von ihm ausgewählte Gewicht zum Gewicht der Sendung passte. Dann noch schnell eine Berechnung der Mehrwertsteuer, die ich dann an der Kasse entrichten durfte. Eine knappe halbe Stunde nach Betreten des Zollamts stand ich erleichtert und glücklich wieder auf dem Parkplatz.

Daheim angekommen streichelte ich glücklich meine schönen neuen Stoffe und freute mich darauf sie zu verarbeiten. Sie sind wirklich außergewöhnlich und wenn sie sich gut verarbeiten und waschen lassen, dann werde ich sicherlich wieder dort bestellen. Und jetzt weiß ich ja auch, was zu beachten ist, damit beim nächsten Mal das Prozedere einfacher ist:

  1. Der Sendung muss auf jeden Fall eine außen angebrachte Rechnung beiliegen.
  2. Auf der Rechnung muss erläutert sein, welche Stoffe enthalten sind, woraus sie bestehen, wie schwer und wie groß sie sind.
  3. Der Rechnungsbetrag wird bis 150€ mit der Mehrwertsteuer besteuert. Bei größerem Rechnungsbetrag fällt zusätzlich noch 8% Zollsteuer an.
  4. Geschenke dürfen maximal 45€ kosten.
  5. Wenn der Zoll erkennen kann, was drin ist und keine Zollsteuer anfällt, dann kann die Post die Mehrwertsteuer vorstrecken und bei der Zulieferung kassieren.

Doch bevor ich noch mehr Stoff kaufe, muss ich erst einmal etwas verarbeiten. Ich werde berichten.

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